Frauenpower im Vorstand
Abschied und Zivilcourage auf KLJB-Versammlung am 30. und 31. Oktober
Eigentlich hatte man für die Diözesanversammlung der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) in Pappenheim als Thema „Zivilcourage“ gesetzt und doch stand am letzten Wochenende vieles im Zeichen des Abschieds. Zwei langjährige Ehrenamtliche und eine Hauptamtliche verlassen den Vorstand der Eichstätter KLJB und wenden sich nun Abenteuern wie der Elternschaft, beruflicher Veränderung oder einem Studium in Schweden zu.
Pastinake püriert
Auf der Diözesanversammlung blieb wenig Raum für Schwermut und Abschiedsschmerz. Wie immer, wenn junge Leute beisammen sind, war das lachende Auge weitaus öfter zu sehen, als das weinende – so vor allem auf der offiziellen Verabschiedung, die sich am Samstag Abend an den Gottesdienst anschloss. In der Evangelischen Landvolkshochschule in Pappenheim nutzten sechzig Gäste die Gelegenheit, die „Abtrünnigen“ mit Ehrungen, Danksagungen und viel Witz sowie nach eingehender Prüfung ins „echte“ Leben zu entlassen. Um zu zeigen, dass sie nach dem Kuschelkurs in der KLJB auch im harten Alltag bestehen können, mussten Stefan Schneider und Thomas Mairoser auf Seiten des Vorstandes und Lisa Amon als Referentin für Agrar, Verbraucherschutz und Ökologie einige Herausforderungen meistern. Dabei handelte es sich unter anderem um ein Babygläschen-Quiz mit Blindverkostung (besonders fies: „Pastinake“ und „reine Karotten“), Bauernhof-Gedächtnisspiele und Abba-Titel-Raten auf Zeit. Der frisch gebackene Vater Thomas Mairoser punktete nicht nur beim Themenschwerpunkt „Baby“ und gewann deutlich vor seinen Mitstreitern, Lisa Amon holte in ihrem Fachgebiet „Bauernhof“ mächtig auf und verwies den Neu-Schweden Stefan Schneider auf den letzten Platz. Aber auch ein paar Tränen stahlen sich in die Gesichter der Verabschiedeten und ihrer Gäste: KLJB-Präses Matthias Blaha gab den Chef-Laudator und würdigte mit Charme, Humor, etwas Pathos und viel Hintergrundwissen die Arbeit und die Persönlichkeit der Ausscheidenden.
Vorstand personell halbiert
Nicht nur der Festakt zur Verabschiedung war gut besucht, auch mit der Beteiligung an der eigentlichen Diözesanversammlung war der Vorstand sehr zufrieden. Aus Großenried, Nassenfels, Weißenburg, Hilpoltstein und Eichstätt waren KLJBler angetreten, um gemeinsam mit der Diözesanleitung den Haushalt zu verabschieden, den Vorstand zu entlasten und ihre Mitglieder zur Diözesankonferenz des Dachverbandes BDKJ im November in Pfünz zu delegieren. Im Amt der ehrenamtlichen Diözesanvorsitzenden wurden Veronika Hallmeier und Hannah Lehner bestätigt. Mit dem Fortgang ihrer Kollegen Stefan Schneider und Thomas Mairoser hat sich der Vorstand personell zwar halbiert, doch sprüht das Frauenpower-Duo meistenteils derart vor Energie und Ideen, dass die Arbeit im Vorstand garantiert nicht nur noch auf halber Kraft weiter laufen wird. Trotzdem hätten die beiden natürlich gern Verstärkung. Michael Biermeier vom Landesverband der KLJB bot scherzhaft eine Fusion mit seinem Vorstand an, dort hätte man nämlich das umgekehrte Problem – man sei momentan ein reiner Männerverein.
Zivilcourage – feige oder hysterisch
Nach so vielen trockenen Wahlen und Anträgen konnten sich die Teilnehmer der Diözesanversammlung beim Studienteil so richtig austoben. Als Thema hatte man „Zivilcourage“ ausgewählt und sich der Problematik mit Rollenspielen im der Öffentlichkeit und einem Selbstverteidigungs-Kurs genähert. Julia Heger (17) aus Röttenbach war entsetzt über die Gleichgültigkeit vieler Pappenheimer Passanten, als sie eine Szene auf der Straße nachspielten: „Ein paar Jungs haben ein Mädchen bedrängt, wollten Geld von ihr und Zigaretten und sind am Ende noch handgreiflich geworden. Die Leute haben nur ein bisschen herüber geguckt und als wir sie dann zur Rede gestellt haben, sagten sie, sie hätten nichts gesehen.“ Simone Grill (17), ebenfalls aus Röttenbach, hatte das „Opfer“ gespielt und pflichtet ihr bei: „Eine Frau hat Fenster geputzt und hat mich dabei genau angeguckt. Danach sagte sie, sie hätte überhaupt nichts bemerkt. Das fand ich schon krass.“ Ganz anders hat Tanja König (20) aus Bergheim ihren Auftritt als „Opfer“ erlebt: „Ich habe gespielt, dass ich telefoniere und habe meine Handtasche hinter mich auf eine Mauer gelegt. Dann ließen wir jemanden an mir vorbei rennen, der sie mir wegriss. Ich hab kaum um Hilfe schreien können, da haben schon zwei Männer und eine Frau reagiert. Vor allem die Frau war ganz außer sich, wollte da sofort hinterher und die Polizei rufen, hat auch andere Leute gleich dafür engagiert. Leider war sie so hysterisch, dass sie es bei unserer Auflösung lange nicht begreifen konnte, dass alles nur ein Spiel war.“ Die Polizei war natürlich von der KLJB vorgewarnt worden und musste nicht ausrücken. Trotz der gegenteiligen Erfahrungen steht eins fest: Die Teilnehmer haben viel über ein erfolgreiches Eingreifen in brenzligen Situationen gelernt. Simone Grill erzählt, was bei ihr hängen geblieben ist: „Man muss schnell handeln, am besten mit dem Opfer Kontakt aufnehmen und es herausziehen, bevor man sich lange bei den Tätern aufhält. Außerdem ist mir aufgefallen, dass man in einer Gruppe viel langsamer reagiert als allein, obwohl man doch die Gruppe gut nutzen könnte, um jemandem zu helfen.“
Nastasia Radtke