Boskop gegen CO2
„fair wandel dein Klima“ - Energie-Aktionstag der KLJB und KLB am 1. August 2010

Auf dem Pollenfelder Brunnenplatz spenden Linden und Kastanien begehrten Schatten, in dem es sich die Gäste des Klima-Aktionstages bei einem CO2-neutralen Mittagessen gut gehen lassen. Unweit hiervon wird es in ein paar Jahren noch ein schattiges Plätzchen geben – wenn der heute gepflanzte Apfelbaum seine Krone ausgebildet hat.

Gottesdienst als erneuerbare Energie
Dass der Gottesdienst eine Art seelische Antriebskraft ist, gleich dem Wind, der die Windräder bewegt, und dass wir diese Energie für das Leben brauchen, meint Josef Bierschneider, der Bischöfliche Umweltbeauftragte des Bistums Eichstätt. Dies hatte er auch im vormittäglichen Gottesdienst zum Ausdruck gebracht. Er freut sich über die gut besuchte Kirche und vor allem über die Zusammenarbeit der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) und der Katholischen Landvolkbewegung (KLB): „Es ist immer schön, wenn kleinere Aktivitäten wie dieser Aktionstag miteinander verbunden werden. Oft ist es so, dass viele kleine Schritte besser sind, als ein großer.“ Selbstverständlich ist die Zusammenarbeit nicht, steht doch das Motto „fair wandel dein Klima“ für die KLB-Jahreskampagne, bei der die meisten Aktionen für Oktober geplant waren. Aber im Rahmen der bayerischen Klimawoche vom 26. Juli bis 1. August, hatte man sich dann doch entschlossen, etwas beizutragen. Und zwar gemeinsam. Schließlich ist das Bestreben, ein Bewusstsein für den Beitrag jedes Einzelnen zum Klimawandel zu schaffen, sowohl den beiden Verbänden ein Anliegen, als auch im Programm der bayerischen Klimawoche postuliert.

Auch du musst was tun! Zum Beispiel CO2-neutral essen
Lisa Amon, Agrarreferentin der KLJB, weiß, was sie an der Kooperation hat: „Allein logistisch könnten wir das gar nicht allein stemmen. Aber so schöpfen wir aus gemeinsamen Ressourcen, auch personell.“ Besonders erfreulich sei, dass beim Aktionstag vermittelte Inhalte und Geselligkeit gut zusammengeführt werden konnten. Besonders das Verdeutlichen der Denkweise, dass es ganz auf das eigene Tun ankommt, stand oben auf der Agenda – sei es über Verzicht, z.B. auf unnötige Flugreisen oder über Bauen und Heizen mit Holz oder eben dem Einkauf regional gefertigter bzw. angebauter Produkte. Dies ließ sich leibhaftig am kulinarischen Angebot ablesen: Sowohl Kalb als auch Schwein aus dem Gulasch lieferte der ortsansässige Metzger, der seine Ware aus der Region bezieht. Das Brot kam aus dem Nachbarort Preith vom Biobauernhof und der Kopfsalat hatte sich am Morgen noch in diversen Gärten von KLJB- und KLB-Mitgliedern gesonnt.

Klimawandel - ein ernst genommenes Problem
Positiv überrascht waren die Organisatoren vom Interesse der Öffentlichkeit. So sprachen die Grußworte im Gottesdienst nicht nur Vertreter beider Verbände, sondern auch Landrat Anton Knapp und der örtliche Bürgermeister Willibald Schneider. Auch waren zahlreiche Pressevertreter anwesend. Das sei ein Zeichen dafür, dass das Thema Klimawandel wichtig ist und ernst genommen wird, sind sich Lisa Amon und KLJB-Diözesanleiterin Hannah Lehner einig. Letztere macht unter anderem die Kooperation der Verbände dafür verantwortlich: „Einerseits verdeutlicht das, dass die Politik die Notwendigkeit sieht, sich mit diesem Thema zu beschäftigen, andererseits bekommt man mit einem Erwachsenenverband wie der KLB zusammen auch mehr Aufmerksamkeit, wird nicht nur als spaßiger Jugendverein belächelt.“ Und ein Forum für die Jugendarbeit biete so eine Veranstaltung immer, hier aktiv vor Ort durch das Kochen in der Freiluftküche (selbst gegarter Räucherfisch und -käse!), die vor allem die Kinder begeisterte und als Ansprechpartner sowieso.

Gestatten, Roter Boskop
Der heimliche Star des Aktionstages harrte derweil etwas abseits der Dinge. Ein Apfelbaum von rarer Sorte, der am Nachmittag vom Pollenfelder Bürgermeister Willibald Schneider und dem KLB-Diözesanvorsitzenden Thomas Schneider unweit der Kirche gepflanzt wurde. Begleitet durch die Klänge der Jagdhornbläser und unter den fachkundigen Augen des zuständigen Revierförsters, Peter Wohlfahrt (auch ein ehemaliger KLJB-Vorsitzender), streckte der Rote Boskop zum ersten Mal seine Wurzeln in Pollenfelder Erde und soll nun allen Bürgern Freude bereiten. Eine Metalltafel erinnert zudem an den Aktionstag. Aktiv aufzuforsten, im Großen wie im Kleinen, sei nämlich etwas, was jeder tun könne, um CO2 aus der Atmosphäre langfristig zu binden, informierte Förster Wohlfahrt. Und alte Obstsorten zu schützen ist ein wertvoller Beitrag zur Arterhaltung. Nach der Pflanz-Aktion waren die alternativen Energien Thema, es ging zur Besichtigung der örtlichen Biogasanlage und der Windräder.
Für den Pollenfelder Boskop sagt Förster Wohlfahrt übrigens schon für das nächste Jahr drei bis vier Früchte voraus – genug für einen guten Apfelkuchen.

Nastasia Radtke

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