Leben retten verlernt man nie



Wo ist die Arterie? Bildungsreferentin Martina muss als Versuchskaninchen herhalten.

31.März 2011

Der Stuhlkreis im Rupertsbucher Jugendheim hatte seine maximale Ausdehnung erreicht, als Rettungsassistent Marcus Röttler zwanzig jungen Leuten beim speziellen Erste Hilfe-Refreshkurs für Jugendverbände neben medizinischem Notfall-Wissen allerlei Geschichten aus seinem Berufsalltag präsentierte. Dabei löcherten die Jugendlichen den Referenten auch verstärkt mit Fragen bezüglich eigener Erlebnisse.

Spezielle Auffrischung: Retten in der Jugendarbeit
Die Katholische Landjugendbewegung (KLJB) Eichstätt hatte  ins Jugendheim ihrer Ortsgruppe Rupertsbuch geladen, um die jungen Leute fit zu machen für medizinische Notfälle in der Jugendarbeit. Referent Marcus Röttler aus Wellheim, der selbst im zarten Alter von zehn Jahren durch die örtliche Wasserwacht aktiv mit Rettungsdienst und Verbandsarbeit in Berührung kam, gab einen kurzen Abriss über internistische und chirurgische Notfälle, sowie über den Umgang mit Personen, die unter Drogen- oder Alkoholeinfluss stehen. Es blieb aber nicht nur bei jugendrelevanten Themen, die Rupertsbucher äußerten ebenso Interesse an den Symptomen eines Schlaganfalls oder Herzinfarkts – schließlich würden die Eltern und Großeltern auch nicht jünger. Schnell wurde klar, dass, obwohl für die meisten Teilnehmer der führerscheinrelevante Erste Hilfe-Kurs noch nicht lange her war, schon wieder deutliche Lücken im Wissen klafften: Man hat's halt bisher nie gebraucht – zum Glück!

Staunen über den menschlichen Körper
Wozu der menschliche Körper alles fähig ist, ist bei den Wenigsten präsent, wenn ein Notfall eintritt. So zeigten sich beim Punkt „epileptische Anfälle“ alle von der Warnung Marcus Röttlers überrascht: „Schützt den Patienten vor weiteren Verletzungen, geht immer von hinten an ihn ran und kommt auf keinen Fall in dessen Handreichweite. Die haben so eine Kraft, wenn sie Krämpfe haben – ein achtjähriges Kind ist in der Lage und schmeißt euch zu Tode.“ Epileptische Anfälle hatten die Jugendlichen schon beobachtet, zum Beispiel im Schulbus an einem Mitschüler, ebenso Kreislauf-Kollapse und Amputationen durch Arbeitsunfälle. Konzentriert lauschten sie den Ratschlägen des Referenten, der einerseits mit 20-jähriger Erfahrung und fachlichem Wissen, andererseits auch mit seiner unkomplizierten Art und vielen teils kuriosen, teils makaberen Geschichten punkten konnte. Bezüglich seiner Anekdoten stellte er fest: „Man muss schon einen Schaden haben, um diesen Beruf zu genießen. Leider wird man etwas trockener mit der Zeit, da man das Ganze schließlich auch verarbeiten muss.“

Doch nicht wie im Fernsehen
Auch der Umgang mit Mullbinde, Kompresse und Co. wurde geübt, dabei musste KLJB-Bildungsreferentin Martina Kleinert zur allgemeinen Belustigung als Druckverband-Model herhalten. Zum Üben bekamen alle KLJBler anschließend ein Päckchen Verbandszeug mit nach Hause. Auch Veronika Hallmeier aus der Diözesanleitung kam nicht um eine Vorführung aus der Klassiker-Abteilung der Ersten Hilfe herum: der stabilen Seitenlage. Für die Reanimation mit Mund zu Mundbeatmung musste keiner aus der Runde als Übungsobjekt herhalten, dies erledigten die von Marcus Röttler mitgebrachten Spezialpuppen. Für allseitiges Erstaunen sorgte die Vorführung eines Defibrilators, mit dessen Umgang bisher niemand Erfahrungen gesammelt hatte. Nicht nur der Fakt, dass Defibrilatoren das Herz „aus“ und nicht wie aus Ärzteserien im TV gewohnt „an“ machen, war neu für die Jugendlichen. „Wir müssen das Herz dann manuell wieder 'an' drücken, mit Herzdruckmassage. Wie ein Defibrilator funktioniert, erklärt er euch immer selber“, kündigte Marcus Röttler an. Tatsächlich: Präzise erklärte die aus dem Gerät dröhnende Stimme, was man wo aufkleben und wann man was zu tun hatte – Erleichterung machte sich breit, anscheinend war Leben retten doch nicht immer so schwer.

Wissen nimmt die Angst
Referent Marcus Röttler hatte die teils unsicheren Jugendlichen während des Kurses immer wieder beruhigt: „Es ist nicht wichtig, wie fachlich korrekt man's macht, sondern dass man was macht.“ Bis der gerufene Rettungsdienst eintrifft, könne man sich als Ersthelfer immer an den Punkten „Bewusstsein, Atmung, Kreislauf, Wärmeerhalt“ entlang hangeln. „Das kann man wie ein Mantra vor sich hin beten.“ Außerdem sollte man sich stets Verstärkung holen, sich gezielt Leute aus den Schaulustigen herauspicken und zu sich heran zitieren.
„Leben retten verlernt man nie“, verkündete Rettungsassistent Röttler, regelmäßige kleine Wiederholungen seien aber wichtig, „die Leute verlieren dann die Angst, etwas zu tun.“ Von den KLJBlern aus Rupertsbuch war er sichtlich angetan: „Die Jugendlichen haben super mitgemacht und der Abend heut hat denen mit Sicherheit was gebracht! In so großen Runden ist es allgemein spannend, jeder hat ein kleines Beispiel aus dem Alltag, da bleibt auch das Interesse der anderen da. Und damit es auch bei diesen Themen mal lustig wird, muss man eigentlich nur auf die Fragen der Leute eingehen.“ Und obwohl alle in diesen Stunden viel gelernt hatten, blieb bei den Beteiligten die bange Hoffnung, es nicht allzu bald anwenden zu müssen. Gerüstet für den Ernstfall wären sie nun zumindest.


Nastasia Radtke

<< Mai 2012 >>
Mo Di Mi Do Fr Sa So
18 30 1 2 3 4 5 6
19 7 8 9 10 11 12 13
20 14 15 16 17 18 19 20
21 21 22 23 24 25 26 27
22 28 29 30 31 1 2 3

No events found.