"Landleben ist für mich ein riesiges Stück Freiheit"



Sandra Foistner hat seit Mitte Februar Lisa Amon als unsere Referentin für Agrar, Verbraucherschutz und Ökologie (AVÖ) abgelöst und wird diesen Posten für die nächsten drei Jahre bekleiden. Sie ist gebürtig aus Langenaltheim, „dem südlichsten Dorf im Landkreis Weißenburg“ und lebt seit vier Jahren mit zwei kleinen Kindern, ihrem Mann Andreas und der Schwiegerfamilie in Landersdorf bei Thalmässing. Im Interview sprach die 38-Jährige über das Landleben und ihren neuen Aufgabenbereich.

Sandra, woher kennst du die KLJB?
Ich muss zugeben, ich hab die KLJB vorher gar nicht gekannt. Da ich evangelisch bin, kenne ich die evangelische Landjugend. Da war ich aber nicht Mitglied, denn ich hab ziemlich früh als Trompeterin in der Feuerwehr-Kapelle Langenaltheim angefangen und bin da nun schon seit einem viertel Jahrhundert dabei.

Klasse! Spielst du noch ein anderes Instrument?
Angefangen hab ich mal mit dem Akkordeon, aber dann habe ich mein Leidenschaft zur Trompete gefunden und nun komme ich nicht mehr davon los. Nicht nur wegen der Musik, auch wegen der Leute bin ich immer noch in der Blaskapelle, obwohl ich nun 38 Kilometer von Langenaltheim entfernt wohne. Meine Künste an Gitarre und Klavier taugen nur für den Hausgebrauch.

Wenn du die KLJB vorher nicht kanntest, wie bist du denn dann auf die freie Stelle als AVÖ-Referentin aufmerksam geworden?
Ich hab die Ausschreibung im Bayrischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt gelesen und mir war sofort klar „Das ist meine Stelle!“.

Was verbindet dich mit dem AVÖ-Bereich?
Ich habe einen praktischen landwirtschaftlichen Hintergrund. Meine Eltern hatten einen Bauernhof und da mussten wir Kinder viel mithelfen - die Kälber tränken, Heu zusammenrechen, Traktor fahren. Ich bin sozusagen in die Landwirtschaft hineingewachsen und hab mich dann für das Studium der Agrarwissenschaften entschieden. Allerdings bin ich nicht immer auf dem Land geblieben, ich hab unter anderem in Freising, München und in Stuttgart gelebt. Als ich wieder zurück aufs Land kam habe ich gemerkt, dass es mir doch gefehlt hat. Auch merkte ich, dass ich für den „Stadtmief“ nicht geschaffen bin, ich wollte lieber die Jahreszeiten auf den Feldern beobachten als an den Bäumen, die im Stadtpark standen. Außerdem wollte ich nicht aus lauter Langeweile ständig nur in der Stadt „rumlungern“ oder Kaffee trinken gehen. Meinen Mann hat das noch mehr genervt, denn wir waren es beide von zuhause her gewohnt, dass am Samstag „gewerkelt“ und nicht nur Zeit vertan wird.

Warum bist du wieder aufs Dorf gezogen?
Das Argument dafür kam eigentlich von meinem Mann. Es war immer klar, dass er die Hofstelle seiner Eltern bekommt und so haben wir uns entschlossen, uns dort sesshaft zu machen. Die Scheune wurde abgerissen, an dem Platz steht nun unser Haus, das uns einen herrlichen Ausblick ins Thalachtal geschert – das hat nicht jeder und ist wirklich toll!

Wie hat sich die Rückkehr damals für dich angefühlt?
Also anfangs hab ich mich etwas fehl am Platz gefühlt in dem kleinen Dorf mit 100 Einwohnern. Da hab ich mich schon gefragt „Was will ich eigentlich hier?“. Jetzt genieße ich das! Wir haben unser Haus gebaut und die Schwiegerfamilie wohnt nebenan. Ich bin sehr dankbar für diesen Familienanschluss, denn alle Beteiligten profitieren davon. Die Kinder genießen das Zusammensein mit ihren Großeltern und umgekehrt und mein Mann und ich können auch mal spontan los, da für die Kinder immer jemand da ist. Die Großfamilie ermöglicht es mir auch, dass ich dem Job bei der KLJB nachgehen kann. Dahingehend bedeutet das Landleben für mich ein riesiges Stück Freiheit. Freiheit genieße ich auch, wenn ich nur fünfzig Meter vom Haus weggehe, denn dann stehe ich schon in Wald und Flur! Das ist für mich Lebensqualität, die ich sehr genieße.

Was denkst du, warum ist Jugendarbeit auf dem Land wichtig?
Durch das vielfältige Ausbildungssystem gehen die Jugendlichen heute schon früh aus dem Haus und sind unwiederbringlich weg, wenn man ihnen nicht die Möglichkeit gibt, sich auf dem Land zu treffen oder wiederzutreffen. Jugendräume und einer, der die Gruppe lenkt, sind hier ganz wichtig. Auch infrastrukturell ist Jugendarbeit wichtig: wenn auf dem Land nichts mehr „los“ ist, sind die Jugendlichen unwiederbringlich weg. Die Folge davon ist, dass die Dörfer und Hofstellen verwaisen, und dem muss entgegengesteuert werden. Auf dem Dorf muss ein ähnlicher Standard an Bildungs-, Freizeit- und Entwicklungsmöglichkeiten gewährleistet sein wie in der Stadt. Auf dem Land zu wohnen, darf kein Nachteil sein. Vor allem sollten die Vorteile viel deutlicher hervorgehoben werden. Dafür möchte ich mich verstärkt einsetzen.

Als AVÖ-Referentin der KLJB kannst du dein Engagement für das Landleben sicher prima einbringen. Worauf freust du dich am meisten?
Zunächst einmal freue ich mich, nach vier Jahren Elternzeit was anderes zu sehen als immer nur Windeln. Ich freue mich, den Verband repräsentieren zu dürfen und vor allem auf die Themen Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Ökologie. Es ist mir sehr wichtig, die Interessen der jungen Landwirte auf dem Land zu vertreten. Die bayrische Landwirtschaft ist geprägt von bäuerlichen Familienbetrieben, und die gilt es zu erhalten, denn damit ist auch die Pflege unserer Kulturlandschaft direkt verknüpft. Und die ist einfach einmalig schön!

Warum ist das AVÖ-Referat unentbehrlich für die KLJB?
Zuerst einmal haben wir auf dem Land eine landwirtschaftlich geprägte Jugend, da gibt es viele Bezugspunkte. Das Thema Verbraucherschutz holt uns alle jede Sekunde ein – bei Konsumgütern, bei Nahrung. Der Verbraucher will qualitativ hochwertige Lebensmittel und der Erzeuger möchte vom Verkaufserlös leben. Es macht Sinn, auf Regionalität zu setzen, sie ist vor Ort, ist transparenter als anonyme Erzeuger auf der anderen Seite der Erde und sichert Arbeitsplätze in der Region. Seitdem ich bei der KLJB bin, nehme ich mich selber mehr in die Verantwortung, also kaufe mehr fair gehandelte Produkte. Früher hab ich mir weniger Gedanken darüber gemacht, war auch einfach zu wenig informiert. Jetzt bin ich sensibilisiert und möchte auch andere dafür sensibilisieren. Der Punkt Ökologie ist brandaktuell, ich sage nur Atomkraft. Es sind viele Leute viel zu verschwenderisch mit unseren Ressourcen, auch auf dem Land. In Landersdorf haben wir zum Beispiel eine Fahrgemeinschaft zum Kindergarten, das spart nicht nur Sprit, sondern auch Zeit. Außerdem haben die Kinder ein viel besseres Zusammengehörigkeitsgefühl, wenn sie als Gruppe gebracht und abgeholt werden. Neben dem ressourcenschonenden Aspekt hat das ganze sogar noch ein positiven sozialen Nebeneffekt, das ist wirklich prima.

Danke für das Gespräch. Wir wünschen dir viel Tatkraft und natürlich auch Freude bei deinen Aufgaben!


Das Gespräch führte Nastasia Radtke.

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