Lust auf Land!
Erste OGewinnt-Gruppenstunde in Großenried (13. Juli 2010)

Im Großenrieder Pfarrheim ist die Stimmung gut, fünfzehn junge Leute brüten über der ungewöhnlichen Aufgabe, die Buchstaben ihres Vornamens mit Begriffen aus dem Landleben zu verbinden. Endlich geschafft: Von „Tretmine“ bis „Prärie“ ist alles dabei.
OGewinnt fasst Fuß
Diözesanvorstand Thomas Mairoser und Bildungs-Referentin Martina Kleinert von der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) leiteten am vergangenen Dienstag diese Gruppenstunde und starteten so in ihr neues Projekt OGewinnt, das noch bis Ende Oktober laufen wird. Bei OGewinnt werden sie von einer Ortsgruppe gebucht und beschäftigen sich dann zusammen mit den Leuten vor Ort mit bereits ausgearbeiteten Themen aus den Bereichen Spiritualität, faire Textilien, ländlicher Raum, Erlebnispädagogik und erneuerbaren Energien. Immer ist auch eine Menge kreatives Material im Spiel, welches die Ortsgruppe natürlich behalten darf. Durch weitere Themenvorschläge werden Impulse für folgende Aktionen gegeben.
Großenried hat was drauf
Die Vorstände waren sichtlich angetan von der Großenrieder Ortsgruppe: „Ihr seid echt eine coole Truppe,“ lautete ihr Urteil nach zweieinhalb Stunden voller Diskussion und kreativem Arbeiten. Und das zu Recht: Die Großenrieder beteiligten sich aktiv und konstruktiv an der Einschätzung der Lebensqualität in Stadt und Land, obgleich das Landleben naturgemäß einige Bonuspunkte, praktisch „Heimvorteil“ hatte. Besonders fiel die Begeisterung auf, mit der die Jugendlichen von ihrem Leben auf dem Land sprachen: Sie bescheinigten ihrer ländlichen Umgebung mehr Möglichkeiten, ihre Freizeit zu gestalten und auch die Jobsituation sei kein Grund, in die Stadt zu ziehen. Tatsächlich müsse nur ein einziger der Anwesenden berufsbedingt pendeln. Einen ähnlich guten Eindruck hinterließen die Ergebnisse des Dorf-Psychotests: Infrastruktur, demographische Entwicklung, Grundversorgung und die Gemeinschaft im Dorf wurden von den Jugendlichen als durchaus gesund eingeschätzt. Sind die Großenrieder echte Land-Freaks?
Bewusste Landjugend
Zumindest kennen sie sich gut aus: Bei der Plakataktion „Landleben in 50 Jahren“ gestalteten sie mit viel Hintergrundwissen die Auswirkungen von Problemen wie Landflucht und immer gigantischer werdenden Agrarstrukturen, die alteingesessene Familienbetriebe verdrängen, aber stellten auch diverse Chancen heraus: Alternative Energien wie Biomassekraftwerke, Wind- und Sonnenenergie würden ihren festen Platz auf dem Land haben. So war es nur allzu verständlich, dass bei der abschließenden Postkarten-Aktion, in der jeder eine Karte mit Werbespruch für das Landleben entwerfen sollte, „Lieber Mist als Abgase“ eines der beliebtesten Sprüche darstellte.
Fußball und Shopping ausbaufähig
Besonders erfreulich waren die Einschätzungen der Jugendlichen nach der Gruppenstunde. Julia Schüppler (17) aus Fröschau findet es gut, dass man mal über das Landleben mit all seinen Vor- und Nachteilen geredet hat: „Die meisten machen sich ja nichts mehr aus dem Landleben. Aber wenn ich zum Beispiel im Urlaub in großen Städten bin, dann lerne ich all das hier richtig schätzen. Da denkt man normaler Weise gar nicht drüber nach.“ Auch Maximilian Goth (14) aus Weidendorf ist vom Verlauf der Gruppenstunde positiv überrascht: „Ich fand es interessant, dass wir alle zusammen etwas machen konnten. Die Plakate, wie das Land in 50 Jahren aussieht, haben mir am besten gefallen.“
Doch trotz aller Begeisterung für die heimische Landschaft mit ihren schönen Seen, haben beide einen Vorschlag, wie sich die Lebensqualität noch verbessern ließe. Julia hofft, dass das Fußballturnier, was bisher der inzwischen aufgelöste Schützenverein organisiert hatte, von einem anderen Verein aufgenommen wird. Und Maximilian ist genervt, dass er zum Klamotten kaufen immer nach Ansbach ins Shopping Center fahren muss: „Lebensmittel haben wir hier genug aber für alles andere muss man schon weit fahren.“ 

Nastasia Radtke

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