Olympiastadt, Alpenstadt, Kulturstadt - Studienfahrt nach Innsbruck

 

 

Vier Kilometer tief im Berg und 250 Meter über der Stadt: Am vergangenen Wochenende (30.09 – 02.10.2016) waren 22  Jugendliche der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) der Diözese Eichstätt in Innsbruck unterwegs. Im Rahmen der Studienfahrt konnten die KLJBlerinnen und KLJBler die landwirtschaftlichen und nachhaltigen Facetten der Stadt hautnah erleben.

 

Mit Gottes Segen

Bereits 40 km südöstlich von München liegt Wilparting, mit seiner Wallfahrtskirche des heiligen Bischofs Marinus und seinem Diakons Anianus. Die Kirche ist wohl die meist fotografierte Kirche im bayerischen Oberland. Bereits von der Autobahn aus, ist ihr Anblick ein Genuss. Seit knapp 1300 Jahren ist dieser heilige Ort ein Wallfahrtsort und beeindruckt vor allem mit seinem spätbarocken Hochaltar und den Bildtafeln an den Wänden, auf denen das Wirken der beiden Glaubensboten dargestellt wird. Kaplan Markus Müller versäumte natürlich nicht, die Jugendlichen zu begrüßen und die Studienfahrt unter Gottes Segen zu stellen. Im Anschluss gab es im Gasthof „Zum Moar“ noch eine kleine Frühstücks-Pause. In der Septembersonne konnten die KLJBlerinnen und KLJBler bei Weißwürsten mit süßem Senf und Brezen die Aussicht genießen. Angeführt von der Agrarreferentin Sandra Foistner ging die Fahrt dann auch schon weiter nach Innsbruck-Ahrental.

 

4 Kilometer tief im Berg

Urlaub in Österreich und Italien, wie wunderbar. Wäre da nicht der schleppende Verkehr nach Innsbruck und weiter über den Brennerpass. Doch nicht nur die vielbefahrene Autobahn stört Anwohner und Urlauber. Auch auf der Bahnstrecke donnern schwere Güterzüge mitten durch die Dörfer - 380 Züge am Tag. Die Kapazitäten sind ausgereizt. Daher entsteht unter dem Brenner der längste Eisenbahntunnel der Welt, mit einer Gesamtlänge von 64 km, für den Personen- und Güterverkehr. Wenn er fertig ist, braucht der ICE von München nach Verona weniger als drei Stunden, denn die maximale Geschwindigkeit auf 250km/h festgelegt wird. Roland Vogltanz, Johann Auer und Daniel Reischl führten die KLJB über die Tunnelbaustelle im Berginneren und informierten ausführlich über die Eckdaten des Projektes „Brenner-Basis-Tunnel“. Zu Beginn wurden die Jugendlichen baustellentauglich angekleidet: orange Warnwesten, Helme und Sicherheitsgummistiefel gehörten zur Ausrüstung. Danach ging es rasant in Kleinbussen in den Berg hinein, die letzten Meter mussten allerdings zu Fuß zurückgelegt werden. Bald war auch schon das Ende des Tunnels in Sicht, wo gerade spezielle Maschinen neue Sprenglöcher in den mit einer Spritzbetondecke verklebten Fels bohrten. Je nach geologischer Gegebenheit wird entweder mit Sprengungen oder einer Tunnelbohrmaschine gearbeitet. In knapp 10 Jahren soll der Brenner-Basis-Tunnel zwischen Innsbruck und Franzensfeste fertiggestellt werden. „Wir liegen gut im Zeitplan und sind sogar drei Monate vor der Zeit“ so Daniel Reischl.   

 

 

Die Liebe zum Losen 

Die letzte Station am Freitag war der Liebe&Lose Shop in der Markthalle in Innsbruck. Was früher ganz selbstverständlich war, ist heute leider etwas ganz besonderes geworden: mit wenig Verpackungsmaterial Lebensmittel einkaufen. Liebe&Lose ist in Innsbruck der erste, regionale Supermarkt, der ausschließlich lose Ware anbietet, also ohne Einwegverpackung. Vor einem Jahr eröffnete Georg Dominguez den kleinen Shop und lebt den „Zero Waste“ Gedanken: In diesem Supermarkt kann man mit seinen eigenen Behältern, seine Wunschmenge einkaufen. Damit vermeidet man Müll und übriggebliebene Lebensmittel werden nicht mehr aussortiert. Denn zum Supermarkt gehört noch eine Catering Firma, die die Lebensmittel aus dem Shop weiterverarbeitet und dann, z.B. an Kindergärten, Schulen und Bedürftige ausliefert. Nach dem Motto "Essen statt wegwerfen". In Liebe&Lose werden alle Herzenswünsche erfüllt, vom Obst bis zum Waschmittel und sogar Zahnpasta kann erworben werden. 

 

250 Meter über Innsbruck

Morgens um halb zehn in Österreich: Der zweite Tag der Studienfahrt begann mit der Besichtigung des Olympia-Skisprungstätte am Bergisel. Vom Stadion-Eingang bis zum Schanzenturm gilt es 455 Stufen zu bewältigen. Doch bequemer und vor allem schneller ist der Schrägaufzug, diesen nützen auch die KLJBlerinnen und KLJBler. Von dort stieg die Gruppe in den Aufzug und erreicht die Aussichtsterrasse, mit einem atemberaubenden 360-Grad-Rundblick auf die Landeshauptstadt und die umliegende Bergwelt. Diese Aussicht musste gleich für ein Gruppenfoto genutzt werden. Denn wann ist man schon gemeinsam in einer Höhe von 250 Meter über Innsbruck? Die Jugendlichen beobachteten auch mehrere Skispringer bei ihrem Training. Denn im Sommer dient die Anlage als Trainingsstätte für Skisprungmannschaften. Beeindruckend ist, dass die Springer in nur 4 Sekunden nach dem Start eine Geschwindigkeit über 90 km/h erreichen. Schon 1925 wurde die erste Sprungschanze errichtet und zweimal (1964 und 1976) wurde auf dem Bergisel das Olympische Feuer entzündet. In der Arena des Skisprung-Stadions fanden schon mehrere Großveranstaltungen statt: Sogar Papst Johannes Paul II feierte 1988 eine Messe für knapp 60.000 Gläubige. 2002 wurde, nach Entwürfen der Architektin Zaha Hadid, die erneuerte Sprungschanze eröffnet und ist seitdem zu einem touristischen Anziehungspunkt geworden.

 

 

Holz mit allen Sinnen erleben

Seit 1425 v. Chr. benutzte man in Ägypten Webstühle, 1663 stellte Friedrich Staedtler den ersten Bleistift her und 1881 erfand Carlo Collodi seinen Pinocchio. Was das alles gemeinsam hat? Holz. Nachdem die KLJBlerinnen und KLJBler über Innsbruck die Aussicht genießen konnten, führte sie die zweite Station in die HolzErlebnisWelt in Fügen. Schon auf dem Parkplatz duftete es nach Holz. Zu verdanken ist das dem Großsägewerk und BioMasseHeizKraftWerk Binderholz. Gleich beim Eingang stand ein riesiger Holzstamm, genau genommen ein Kubikmeter Holz. Die Gruppe erfuhr später, dass dies jene Menge ist, die in Österreichs Wäldern pro Sekunde nachwächst. Pünktlich um 15 Uhr begann der einstündige Besichtigungsrundgang und dies erst einmal in bequemen Kinosesseln: Der Kurzfilm „HolzLeben“ schilderte emotional die Biografie des Holzes. Per Video-Guide-Technik wurden die Jugendlichen durch neun Etappen geführt. Diese zeigten unter anderem die Geschichte des Holzes, aber vor allem die technischen Details des BioMasseHeizKraftwerkes - Ein Energiekraftwerkt mit Nachhaltigkeit. Zum Beispiel wird im Turbinenraum aus Dampf Ökostrom erzeugt und im Kyoto Raum wird die Abluft von Rußpartikeln und anderen Schwebestoffen aus dem Heizkessel gereinigt. In den Treppenhäusern und an den Fenstern konnten die Besucher kleine Verse entdecken: „Wir können nicht fehlgehen, wenn wir der Natur folgen“ (Michel de Montaigne). Der Natur folgen – passend für den letzten Tag der

Studienfahrt.  

Das Tor ins Karwendelgebirge

Am Sonntag ging es steil hinauf durch die Wolfsklamm. Über tausende von Jahren hat der Stallenbach eine tiefe Schlucht in das Karwendel geschnitten. Stufe für Stufe, vorbei an tosenden Wasserfällen, über rutschige Brücken erklomm die KLJB-Gruppe das Kloster St. Georgenberg. Oberhalb der Klamm fanden die Jugendlichen unzählige Steinmännchen und schichteten gleich selbst Stein auf Stein zu einem Turm. Das Felsenkloster wurde als Einsiedelei gegründet und war der ausschlaggebende Grund dafür, durch die Klamm einen Steig zu bauen. Nach sage und schreibe 352 Stufen war der Anstieg geschafft und die Gruppe versammelte sich in der Klosterkirche für einen gemeinsamen Gottesdienst. Josef Riepl aus der Ortsgruppe Seubersdorf überraschte alle, als er den Gottesdienst mit seinen Orgel-Künsten musikalisch umrahmte. Die Predigt stand unter dem Motto

„Erntedank“ und Kaplan Markus Müller legte den Jugendlichen ans Herz, die Schöpfung als Geschenk zu sehen und dafür dankbar zu bleiben: „Die Schöpfung Untertan machen, heißt nicht, sie auszubeuten, sondern sinnvoll zu nutzen, für uns und für die nächsten Generationen“. Im Anschluss an diesen feierlichen Gottesdienst gab es noch ein gemeinsames Mittagessen im Georgenberg Gasthaus. Dann war es aber leider auch schon so weit: die KLJBlerinnen und KLJBler verabschiedeten sich von der österreichischen Bergwelt und traten die Rückfahrt nach Eichstätt an.  

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